Dr. h.c. Eugen Bolz

- Staatsmann und Blutzeuge -

geboren am 15. Dezember 1881 in Rottenburg/N.,
hingerichtet am 23. Januar 1945 in Berlin/Plötzensee.

So lautet die Inschrift im Foyer des nach dem Widerstandskämpfer Eugen Bolz benannten Wohnheims. Er zählt zu den großen Politikern Württembergs. Bolz war 21 Jahre ununterbrochen in zwei Parlamenten tätig, und 13 Jahre gehörte er der württembergischen Landesregierung an, die er von 1928 an leitete. Eugen Bolz war 1928 der erste katholische Staatspräsident im protestantischen Württemberg.

Er fand in der Staatslehre und Moral, die von Papst Leo XIII. formuliert wurde, die weltanschauliche Legitimität für seine Politik.
Bolz schrieb: "Die katholische Kirche (...) hat durch den Mund ihrer Päpste (...) den Weg gewiesen, den wir (das Zentrum) gehen müssen (...). Man braucht nur die Verlautbarungen der Päpste (...) zusammenzufassen, und man hat ein politisches Programm, ein christlich-konservatives (...). Als Katholik und Zentrumsmann habe ich mir die Frage vorzulegen, ob mein Parteiprogramm mit diesem katholischen Programm übereinstimmt. Ich finde keinen Widerspruch."

Bolz warnte vor den Gefahren Hitlers und weigerte sich, dem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen. Er proklamierte in einer privaten Studie ein "Notwehrrecht des Volkes" gegenüber einer unrechtmäßigen Staatsgewalt: "Die katholische Kirche muß ihrem Auftrag entsprechend eine christliche Politik wollen (...).
Bei offensichtlichem und dauerndem Mißbrauch der Staatsgewalt besteht ein Notwehrrecht des Volkes (...).
Es ist gebieterische Pflicht der Katholiken, den Protest lebendig und stark zu erhalten."